Leben mit Morbus Wegener
Bei Wolfgang Kurz fing es scheinbar harmlos an. Mit einem Schnupfen, der zeitweilig etwas blutig war und der ihm das Atmen durch die Nase erschwerte, sich aber dann hartnäckig festsetzte und auch nach zwei Jahren nicht verschwand. Nasensalben, Antibiotika, auch die Begradigung der Nasenscheidewand halfen nicht. Ein lästiger Zustand, aber nichts, so die Devise des jungen Kurz, womit man nicht leben konnte. Kurz begann eine Ausbildung zum Bankkaufmann, spielte Volleyball und betrieb Geräte turnen. Bis plötzlich Bauchschmerzen begannen. Sie waren so stark, dass er in ein Kranken haus ein geliefert werden musste. Nacheinander bekam er leichtes Fieber, Muskel- und Gelenk schmerzen, offene Stellen im Mund und im Rachenraum, er fühlte sich müde, und verlor immer mehr an Gewicht. Trotzdem hatte er Glück im Unglück. Schon nach drei Wochen – eher ungewöhnlich in solchen Fällen – konnten die Ärzte, nachdem nun auch die Lunge angegriffen war, seine Symptome einordnen und mit einer Kortison behandlung und anderen, das Immunsystem hemmenden, Medikamenten helfen: Kurz litt an Morbus Wegener, auch Wegener’sche Granulomatose genannt. »Dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen«, so empfand Wolfgang Kurz seine Situation damals. Sieben Jahre lang hielt die Krankheit dann Ruhe. Ihm ging es in dieser Zeit sehr gut, und er trainierte sogar wieder Triathlon. Dann bekam er jedoch wieder den schon bekannten Schnupfen. Diesmal wusste Kurz aber, was er tun musste und setzte sich sofort mit Vaskulitis-Experten in Verbindung. Dank einer engmaschigen Kontrolle konnte man in den folgenden Jahren die größten Schäden vermeiden und rechtzeitig vor einem erneuten Aufflammen die notwendigen Medikamente geben.

Die Krankheit hatte jedoch schon deutliche Spuren hinterlassen: Ein ständiger Schnupfen
aus festem Schleim plagte ihn. Er hatte den Geruchssinn verloren, hin und wieder litt er an Augenentzündungen, Blut und Eiweiß im Urin und wandernden Gelenkschmerzen. Trotz seiner Beschwerden arbeitete er jedoch normal – mittlerweile hatte er Jura studiert und ließ sich als Rechtsanwalt nieder. Er beteiligte sich an der Gründung einer Selbsthilfegruppe und stand Kranken und ihren Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite.

Die Autorin: Dagmar Wolf
Medizin-Journalistin und Sachbuchautorin