Die richtige Ernährung bei Rheuma
Informationen und Tipps für den Alltag
Medikamente und Bewegung sind unbedingt not­wendige Grundpfeiler in der Rheumatherapie. Dennoch lässt sich kaum eine der vielen rheumatischen Erkrankungen damit vollständig in den Griff bekommen. Als »ergänzende Methode« erhoffen sich deshalb viele Rheumakranke Hilfe von einer »Rheuma-Diät«. Die richtige Ernährung spielt eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit. Auch bei einer rheumatischen Er­krankung kann sie helfen, möglichst leistungsfähig und fit zu bleiben. Außerdem kann über die Ernährung der Entzündungsprozess gemildert und dem Knochenschwund (Osteoporose) vorgebeugt werden. Aber keine Er­näh­rungs­form ist in der Lage, die erbliche Grundlage zu ändern und die rheumatische Krankheit zu heilen. Zwar wird es immer wieder Menschen geben, denen eine spezielle »Rheuma-Diät« geholfen, ihnen vielleicht sogar Heilung gebracht hat. Aus dieser Einzelerfahrung zu schließen, dass damit allen Rheumakranken geholfen werden kann, ist falsch. Vielleicht handelt es sich um eine individuelle Unverträglichkeit eines Nährstoffs? Vielleicht waren soziale oder psychische Faktoren im Spiel, die auch rheumaartige Beschwerden auslösen? Oder war es ein zufälliges Zusammentreffen mit einer Spontan­remission, also einem plötzlichen Abklingen der Krankheitszeichen? Diesen Fragen muss individuell nach­gegangen und vor allem muss die eingehaltene Kost auf ihre Vollwertigkeit überprüft werden.
Die Bedeutung der Ernährung
Rheuma ist ein Oberbegriff für unterschied­liche Erkrankungen mit verschiedenen Ursachen – für ­degenera­tive Erkrankungen (Arthrose) genauso wie für entzündli­che (Arthritis u. a.), für Weichteilrheuma (z. B. Fibromyalgie) genauso wie für Osteoporose und Gicht. Das allein zeigt, dass es die einzig richtige Ernährung bei Rheuma nicht geben kann. Richtig ist immer eine vollwertige Ernährung, wie sie auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Das bedeutet: Ihre Ernährung muss die Ihrem Bedarf entsprechende Menge an Nährstoffen enthalten (Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett), aber auch ausreichend Vitamine, Antioxidanzien, Spurenelemente sowie Kalzium, um der Osteoporose vorzubeugen. Wichtig ist zudem, das Körpergewicht zu regulieren, da Übergewicht die ­Gelenke zusätzlich belastet. Von großer Bedeutung ist richtige Ernährung bei entzündlich-­rheumatischen Erkrankungen, z. B. rheumatoider Arthritis, Psoriasisarthritis und den Begleitarthritiden bei entzündlichen Darmerkrankungen, um die Entzündung einzudämmen, sowie bei der Stoffwechselerkrankung Gicht. Einseitige »Rheuma-Diäten« sind aber auf jeden Fall abzulehnen. Sie können dazu führen, dass dem ­Körper ­wesentliche Nährstoffe vorenthalten werden und er ­dadurch anfälliger statt gesünder wird.
Die Entzündung hemmen
Die Schmerzen, die Schwellung und die Überwärmung der Gelenke werden durch entzündungsfördernde Botenstoffe verursacht, die aus Arachidonsäure ge­bildet ­werden. Alle Tiere, auch der Mensch, können Arachidonsäure aus Linolsäure bilden. Beim Menschen wird diese Umwandlung der Linolsäure genau kontrolliert und durch alle mehrfach ungesättigten Fettsäuren vermindert, zu denen auch die Arachidonsäure gehört. Deshalb lässt eine geringe Zufuhr von Arachidonsäure über die Nahrung den körpereigenen Arachidonsäure-Spiegel nicht ansteigen. Es dürfen aber nicht mehr als 350 mg pro Woche sein. Die darüber hinaus aufgenommene ­Arachidonsäure wird fast vollständig in die Körperzellen eingebaut und zur Bildung der entzündungsfördernden Botenstoffe verwendet. Nehmen Sie deshalb nicht zu viel Arachidonsäure über die Nahrung auf. Arachidonsäure findet sich ausschließlich in Nahrungsmitteln tierischer Herkunft, also in Fleisch- und Wurstwaren, Milch und Milchprodukten. Bereits mitzwei kleinen Fleischmahlzeiten pro Woche wird die maximal empfohlene Wochenmenge erreicht. Auch Eier, Milch, Käse und Sahne sind tierischen Ursprungs und enthalten Arachidonsäure. Deshalb sollten Sie auf Eier möglichst verzichten und bei den Milchprodukten die fettarmen Varianten ver­wenden. Durch Fasten (ausschließlich Trinken von drei Litern ­mineral­stoffreicher Flüssigkeit) lässt sich binnen zwei Tagen eine wesentliche Besserung der Entzündung ­erreichen, da die Zufuhr der Arachidonsäure fehlt. Fasten ist aber keine Ernährung, zudem wird so die bei 40 ­Prozent der Rheuma­kranken festzustellende Mangel oder Fehl­ernährung verstärkt.

Eine weitere Möglichkeit, die Arachidonsäure im Körper zu verdrängen, ist Eicosapentaensäure (EPA) aufzunehmen, eine Fettsäure des Fischöls. Sie gleicht der ­Arachidonsäure bis auf eine – aber entscheidende – ­Doppelbindung. Infolge dieser Ähnlichkeit verdrängt EPA die Arachidonsäure im Stoffwechsel. Zahlreiche ­Studien haben gezeigt, dass sich durch EPA eine deut­liche Besserung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen erzielen lässt. Dabei hat sich EPA als umso wirk­samer erwiesen, je weniger Arachidonsäure in der Nahrung ist. EPA kann auch aus α-Linolensäure entstehen, die sich vor allem in Lein-, Raps-, Weizenkeim-, Soja- und Walnussöl befindet. Wenn Sie diese Öle statt der linolsäurereichen Öle, wie Distel-, Saflor- oder Sonnen­blumenöl, verwenden, benötigen Sie weniger EPA aus Fischöl. Die Bildung von Entzündungsstoffen aus Arachidonsäure kann durch Antioxidanzien vermindert werden. Das wichtigste Antioxidans ist Vitamin E, das in allen Zellmembranen vorhanden sein muss. Durch den Angriff der Sauerstoffradikale wird es jedoch rasch verbraucht und muss durch Vitamin C und durch selenhaltige ­Enzyme wieder aufgebaut werden. Während Vitamin E und Selen in unserer Nahrung meist nicht ausreichend enthalten sind, können alle anderen Antioxidanzien über eine vollwertige und richtig zubereitete Ernährung in ausreichender Menge zugeführt werden.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten ausschließen
Viele Rheumatiker geben an, auf bestimmte Nahrungsmittel mit vermehrten Beschwerden zu reagieren. Am häufigsten werden Fleisch, Getreide, Milch, Eier oder ­Kaffee genannt. Tatsächlich lässt sich aber nur bei etwa zehn Prozent der Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder -allergie nachweisen. Wenn Sie bei sich einen solchen Zusammenhang vermuten, sollten Sie dies exakt mit Hilfe Ihres Arztes abklären. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Sie sich aufgrund bloßer Vermutungen bei der Auswahl Ihrer Lebensmittel zu stark einschränken, was zu einer nicht vollwertigen Ernährung führen kann..
Ernährung und Arzneimitteleinnahme
Die Wirkung und die Verträglichkeit der Medikamente können Sie ebenfalls durch die Ernährung beeinflussen. Nichtsteroidale Antirheumatika (Ibuprofen, Diclo­fenac usw.) nehmen Sie am besten gegen Ende der Mahlzeit ein. Ihren Magen können Sie durch häufige kleine Mahlzeiten schützen. Säure bindende Magenmittel (z. B. ­Maaloxan) sollen zwischen den Mahlzeiten und nie ­zusammen mit anderen Arzneimitteln eingenommen ­werden. Kortikoide werden nach Angabe des Arztes zur Mahlzeit genommen. Bei einem Rheumaschub empfiehlt es sich, die Morgendosis Kortison mit einem Glas Milch oder Joghurt ans Bett zu stellen und vor dem Auf­stehen einzunehmen. Methotrexat sollte etwa eine halbe ­Stunde vor der Mahlzeit mit einem Glas Wasser genommen ­werden, damit es vollständig aus dem Darm auf­genommen werden kann. Beginnen Sie möglichst bald mit den vorgeschlagenen Ernährungsmaßnahmen und besprechen Sie Ihr Ernährungsprogramm mit Ihrem Arzt. Innerhalb der nächsten sechs Monate ­werden Sie wahrscheinlich eine Besserung verspüren. Dennoch dürfen die notwendigen Arzneimittel nicht abgesetzt oder selbst vermindert werden, sondern immer nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt.
Osteoporose vorbeugen
Osteoporose (Knochenschwund) ist zum einen eine eigenständige Krankheit. Sie tritt aber auch als Folge einer rheumatischen Erkrankung auf, ausgelöst durch den Entzündungsprozess, durch Medikamente (Kortison) und durch die Bewegungseinschränkungen. Mit einer entsprechenden Ernährung lässt sich einer Osteoporose jedoch vorbeugen. Zum einen sollten Sie aus­reichend Kalzium (1 Gramm/Tag) aufnehmen. Das gelingt am besten mit fettreduzierter Milch und fettreduzierten Milchprodukten (1,5 Prozent Fettanteil). Kalziumangereicherte Fruchtsäfte und die bewusste Auswahl kalziumreicher Lebensmittel können ebenfalls helfen. Genauso wichtig ist es, sich phosphatarm zu ernähren, da Phosphat das Kalzium aus der Nahrung bindet, so dass es dem Organismus nicht mehr zur Verfügung steht. Phosphat befindet sich vor allem in tierischen Produkten. Wichtig für gesunde Knochen ist auch die aus­reichende Versorgung mit Vitamin D, das der Körper bei aus­reichender Bewegung an der frischen Luft selbst bildet. Wenn Sie nicht jeden Tag mindestens eine halbe ­Stunde an der frischen Luft sind, sollten Sie Vitamin D einnehmen, denn die Versorgung mit der Nahrung ist sehr unsicher. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen die Osteoporose ist körperliche Aktivität. Ver­gessen sie also nie Ihr tägliches Übungsprogramm.
Autor: Prof. Dr. Olaf Adam
Redaktionelle Bearbeitung: Dagmar Wolf

Herausgeber:
Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V.