Häufige Symptome bei entzündlichem Rheuma
Die meisten Menschen glauben, Rheuma sei eine Erkrankung der Gelenke. Und tatsächlich greift das entzündliche Rheuma in vielen Fällen die Gelenke an, zu Beginn vor allem Finger-, Hand- und Fußgelenke. Typische Symptome z. B. bei rheumatoider Arthritis sind steife Glieder am Morgen, druckempfindliche Körperstellen, Schwellungen und Schmerzen . Mit dem Entzündungsprozess hat dann aber der ganze Körper zu kämpfen. Die Kranken leiden an Erschöpfung , können Fieberschübe bekommen und verlieren Gewicht. Es fällt ihnen schwer, ihren Alltag wie gewohnt zu bewältigen. Rheuma kann aber auch andere Körperteile in Mitleidenschaft ziehen – Wirbelkörper und Knochen sowie Sehnen, Muskeln, Nerven und Blutgefäße. Bei manchen sehr seltenen Erkrankungen wie der Wegener’schen Granulomatose werden gar ganze Organe befallen, wie Lungen, Nieren oder die Haut. Und an Fibromyalgie erkrankte Frauen klagen nicht nur über Schmerzen, oft können sie nicht mehr richtig einschlafen bzw. durchschlafen, leiden an Darm- und Magenbeschwerden, Angstgefühlen und Depressionen. Die große Vielfalt an Symptomen ist typisch für Rheuma und erschwert oft die Diagnose erheblich. Oftmals vergehen Monate und Jahre bis der Kranke weiß, woran er leidet. So dauert es beim Morbus Bechterew durchschnittlich fünf bis sieben Jahre und beim systemischen Lupus erythematodes, einer generalisierten Autoimmunerkrankung, zwei Jahre, bis sie in rheumatologische Behandlung gelangen.
Trotz aller Fortschritte in der Forschung, eine Heilung von Rheuma ist noch immer nicht in Sicht. Die Ärzte bemühen sich daher vor allem, die Schmerzen ihrer Patienten zu lindern und die Zerstörung der Gelenke und Organe aufzuhalten. Je früher eine Therapie beginnt, desto größer sind die Chancen für den Patienten, wieder ein normales Leben zu führen. Ganz wichtig dabei: Jeder Kranke benötigt einen eigens auf ihn zugeschnittenen, umfassenden Therapieplan, der auch nicht-medikamentöse Therapien beinhaltet. Grundsätzlich behandelt man entzündliches Gelenkrheuma in der Soforttherapie mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten, während in der Langzeittherapie an dere Medikamente, so genannte Basistherapeutika, eingesetzt werden, die langfristig den Entzündungsprozess im Körper stoppen sollen.
Ein gutes Krankheitsmanagement zeichnet sich aus durch
  • frühe und effiziente Behandlung,
  • gute Mitwirkung der Patienten bei der Behandlung, z. B. durch Beratung und Patientenschulung
  • rechtzeitige und regelmäßige Reha-Maßnahmen
  • Selbsthilfe als wichtiges drittes Standbein in der Versorgung
Hilfebedarf infolge rheumatischer Erkrankungen
  • Schmerzen und Funktionsstörungen behindern häufig das Alltagsleben: Mit regelmäßigem Hilfebedarf ist bei vier von zehn Patienten zu rechnen.

  • Bei den über 70-Jährigen sind die Hälfte der Frauen und knapp ein Drittel der Männer von schweren Behinderungen im Alltag (50 Prozent oder weniger der vollen Funktionskapazität) betroffen.

  • 14 Prozent der an rheumatoider Arthritis Erkrankten benötigen dauernde Pflege.
  • 12,5 Prozent der Pflegebedürftigen, die Leistungen der Pflegeversicherung erhalten, leiden an Krankheiten der Haltungs- und Bewegungsorgane. Davon sind 36 Prozent an Polyarthrose erkrankt und 8 Prozent an Osteoporose.
Mehr schlecht als recht – die Versorgungslage
Alle Untersuchungen zeigen: Wer frühzeitig von einem Spezialisten betreut wird, vermeidet in vielen Fällen Folgeschäden und gewinnt mehr Lebensqualität. Denn nach den Daten der Kerndokumentation der Rheumazentren unterscheidet sich die Behandlung von Fachärzten und Primärärzten zum Teil erheblich. Während Nicht-Rheumatologen nur knapp die Hälfte der Patienten bei rheumatoider Arthritis mit der Basistherapie behandelten, ist diese Therapie bei Rheumatologen Standard.Neue medikamentöse Therapien werden fast ausschließlich durch Rheumatologen verordnet.

Die Versorgung mit nicht-medikamentösen Therapien, wie Krankengymnastik und Bewegungstherapie in Gruppen (Funktionstraining), Patientenschulung oder Ergotherapie kann ebenfalls als defizitär bezeichnet werden. Der Grund hierfür liegt nicht zuletzt in den Regelungen zur Kostenerstattung und in der ärztlichen Verschreibungspraxis.

Autorin: Angelika Friedl
Fachliche Beratung: Prof. Dr. Angela Zink,
Deutsches Rheuma-Forschungs-Zentrum Berlin