Phänomen Handynacken

Um die Rückengesundheit der Deutschen ist es nicht gut bestellt. Nicht nur am Tag der Rückengesundheit (15.März) gilt es festzuhalten: Nach wie vor zählen Rückenschmerzen zu den größten Volksleiden in Deutschland und sind der Hauptgrund für Arbeitsunfähigkeit. Meist sind Rückenschmerzen das Resultat eines Ungleichgewichts zwischen einseitiger Belastung oder zu viel Stress. Bei der Generation Smartphone kommt häufig beides zusammen. 

Im Park, im Zug oder in Restaurants, das Bild ist weit verbreitet: Menschen, die mit geneigtem Kopf auf ihr Smartphone schauen. Doch das sorgt nicht nur für einen regelmäßigen Informationsfluss, sondern kann durch die einseitige Haltung auch zu schmerzhaften Muskelverspannungen im Kopf-, Nacken- und Schulterbereich oder sogar zu Verschleißerscheinungen führen, besonders bei Personen mit einer untrainierten Rückenmuskulatur.

Immer öfter müssen Orthopäden Patienten wegen des sogenannten „Handynackens” behandeln. Dabei ist ein gelegentlicher Blick auf das Handy, um E-Mails abzurufen oder Nachrichten zu checken, absolut unbedenklich. Problematisch wird es erst bei stundenlanger Nutzung von Smartphones oder Tablets, etwa wenn ein E-Book gelesen oder intensiv gearbeitet wird. Denn wer regelmäßig und über einen langen Zeitraum mit geneigtem Kopf über dem Tablet sitzt, riskiert eine Überlastung der Halswirbelsäule.

Laut Deutscher Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) wirken anstelle der vier bis sechs Kilogramm Kopfgewicht zusätzlich 13 Kilogramm auf den Rücken, wenn die Halswirbelsäule um etwa 15 Grad nach vorn gebeugt ist. Bei zunehmendem Neigungswinkel verstärkt sich die Belastung weiter. Wer auf sein Handy schaut, neigt seinen Kopf meist in einem 45-Grad-Winkel nach vorn, das entspricht dann einer Kraft von etwa 20 Kilogramm. Kein Wunder also, dass diese Kopfhaltung auf Dauer Muskeln, Bänder und Bandscheiben strapazie

Rückengesundheit vorbeugen

Wer weder Smartphone noch Tablet-PC aus seinem Alltag verbannen möchte, kann möglichen Schmerzen dennoch vorbeugen. Generell ist regelmäßiger Sport sinnvoll, um die Muskulatur, vor allem die Rückenmuskulatur, zu lockern und zu stärken. So können beispielsweise ein oder zwei Mal pro Woche Schwimmen, Walking oder auch Pilates bei Rückenproblemen helfen, zumal diese Sportarten auch besonders gelenkschonend sind. Aber auch im Alltag empfiehlt sich mehr körperliche Aktivität, also das Auto häufiger stehenlassen und stattdessen mit dem Rad fahren oder die Treppe anstelle des Aufzugs nutzen. Auch gezielte Rückengymnastik könne helfen.

Bei längerer sitzender Haltung, beispielsweise am Schreibtisch, heißt die Devise: regelmäßige Pausen einlegen und die Muskulatur zwischendurch lockern. Jede halbe Stunde aufstehen kann schon helfen, die starre Körperhaltung vor dem Computer zu durchbrechen. Wer dann an den Arbeitsplatz zurückkehrt, sollte sich von vornherein rückenfreundlich hinsetzen. Also beide Füße nebeneinander auf den Boden stellen, die Schultern entspannen und möglichst gerade sitzen und nicht nach ein paar Minuten zusammensacken. Da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, sollte die Haltung immer wieder überprüft werden. Bei längerer Arbeit mit dem Tablet oder Smartphone solle man die mobilen Geräte höher halten und lieber die Augen als den gesamten Kopf senken. Generell gilt: Jedes Grad weniger, um das der Kopf gesenkt ist, entlastet die Halswirbelsäule.

Lockerungsübungen durchführen
  • Den Kopf kreisen oder von links nach rechts und zurück bewegen.
  • Das Ohr zur jeweiligen Schulter senken, bis ein Zug auf der Gegenseite spürbar ist.
  • Kopf lang nach oben strecken und gleichzeitig die Schultern nach unten ziehen
Quelle: Barmer GEK
Claudia Rembecki
Redakteurin, BARMER Unternehmenskommunikation